Musik, Tanz, Malerei und alle kreativen Beschäftigungen sollen die Macht haben, dich zu stärken. Man sagt, sie können dich verändern, deine soft skills trainieren und zu Selbsterkenntnis führen. So auch Improtheater-Training.
Tatsächlich nutzen Trainer, Therapeuten und Lehrer Techniken aus der Improtheaterkiste. Diese unterstützen ihre Arbeit und erzielen für ihre Kunden bzw. Schüler bessere Ergebnisse. Dabei jedoch übersehen sie, dass jede Selbsterkenntnis und jede Entwicklung zur Folge haben, dass sich der Status Quo verändert.

Die Folgen von anhaltendem und leichtsinnigem Improtheater-Training sind dann:

  1. Neuer Blick

    Du bekommst einen neuen Blick auf die Menschen um dich. Vielleicht beurteilst du den einen oder anderen neu. Manch einer mag da gut wegkommen. Es kann aber auch Menschen geben, die du plötzlich in einem schlechteren Licht siehst.

  2. Neue Wege

    Du findest neue Wege, die du vorher vielleicht nicht gesehen hast. Du kannst z.B. den Mut fassen, deinen aktuellen Job (jetzt oder später) aufzugeben. Und schon morgen beginnst du mit etwas vollkommen Neuen, das du schon immer machen wolltest. Aber was ist mit der Verantwortung, die du für deine alten Kollegen und die Kunden hast? Die kannst du doch nicht einfach so im Stich lassen!

  3. Neue Fähigkeiten

    Durch neu entdeckte Fähigkeiten gewinnst du Selbstvertrauen. Vielleicht merkst du z.B., dass es dir eigentlich Spaß macht, vor Menschen zu sprechen? Aber pass bitte auf. Oder willst du, dass dein Umfeld dich für eingebildet und arrogant hält?

  4. Abwechslung

    Durch die Abwechslung, die du mit deiner kreativen Beschäftigung bekommst, fühlst du dich ausgeglichener. Pass auf, dass man nicht den Eindruck bekommt, dir sei alles egal!

  5. Neue Ideen

    Wenn es ganz schlecht läuft, wirst du kritischer. Warum musst du auch immer akzeptieren, was andere denken oder vorgeben? Vielleicht hast du ja eine bessere Idee? Vielleicht ist dein Lösungsansatz kreativer oder einfach nur günstiger? Oh oh, ich kann die Konflikte mit dem Chef, der Familie und den Freunden schon förmlich riechen!

Und das kann doch keiner wollen. Schließlich ist man doch in einer Situation, die gut funktioniert, oder? Man hat einen Job, eine Wohnung, und kann sich auch ein bisschen was leisten. Jeder, der einem erzählen möchte, dass man auch anders leben könnte, ist ein Träumer oder Spinner.

Schlimme Folgen von Improtheater-Training

Wenn man sich aufmacht, um sein Leben zu ändern und zu entwurzeln, kann keiner voraussagen, wohin das führt. Man will ja nicht zum Sozialfall werden, sein Auto verkaufen, nicht mehr in Urlaub fahren, und in einer 20-qm-Wohnung leben müssen. Man sollte dankbar sein, dass man etwas hat, auf das man vertrauen kann, weil: schlimmer geht immer.

Veränderung bedeutet Bedrohung des materiellen Status, des Eigentums, und in Folge auch der sozialen Strukturen. Solche Geschichten kennt man ja: Job verloren, Haus verloren, Partner verloren. Danach Gosse, Drogen und Bahnhofsmission. Da ist es doch besser, lieber nichts zu riskieren.

Also: lieber kein Improtheater-Training, keine Musik, keinen Tanz und keine Malerei.

Oder?

 

Du bist dran!

Bist du selbst kreativ? Was machst du, und findest du, dass es dir mehr bringt als nur ein bisschen Spaß und Ablenkung? Was hat dir am meisten gebracht?

Ich freu mich auf Deine Kommentare!