Lange bevor ich mich richtig mit der Angst des Gründers auseinandersetzen musste, hatte ich mal einen ganz netten Job an einer neu gegründeten Schule. Als freier Dozent bereitete ich junge Menschen auf das Abitur in Wirtschaft vor. Das machte mir Spaß, und ich rechnete mir sehr gute Chancen aus, in wenigen Jahren von der Honorarbeschäftigung zu einem “richtigen” Arbeitsverhältnis zu kommen. Als Ergänzung bis dahin wollte ich noch einen Teilzeitjob, also schreib ich eine Handvoll Bewerbungen. Und tatsächlich gab es zwei Stellen, die mir angeboten wurden – aber ich hatte natürlich nur Zeit für eine von beiden. Also überlegte und überlegte ich, bis es mich nach ein paar Tagen wie der Blitz traf: Ich würde nicht eine von beiden Stellen annehmen – sondern beide. Und dafür den Job an der Schule aufgeben.

Energie und Zweifel

Manchmal passiert es, dass man wie aus dem Nichts einen Gedanken hat, der alles ändert. Dann wird einem plötzlich klar, dass der aktuelle Job oder eine momentane Beschäftigung nicht mehr das ist, was man in Zukunft machen möchte. Ist diese Erkenntnis einmal da, ist es schwer, wieder zurückzurudern.

Dieser Moment der Erkenntnis ist befreiend und setzt viel Energie frei. Doch dann geschieht etwas Gemeines: Während die Energie langsam abebbt, schleichen sich in den nächsten Tagen die Zweifel ins Bewusstsein. Ist das wirklich eine gute Idee? Soll ich den bekannten Job, in dem ich einen guten Status habe, einfach wegwerfen? Macht es Sinn, wieder von vorne anzufangen? Was wenn man sich verzockt, verzettelt, verirrt?

Mut und Irrtum bei der Existenzgründung

Moment mal, habe ich in der Überschrift nicht was von der Angst des Gründers geschrieben? Stimmt, und da verhält es sich genauso: Wenn die Entscheidung einmal getroffen ist, den sicheren Hafen der Festanstellung zu verlassen und in die fremden Wasser der Selbständigkeit zu segeln, stellen sich innerhalb weniger Tage Angst und Zweifel ein. Hier kann es sogar noch beängstigender sein – schließlich fehlen die Sicherheit des festen Einkommens und der geregelte Tagesablauf. Und selbst für erfahrene Freelancer gilt das, wenn sie ein Projekt beenden, obwohl es gut läuft und sich neuen Zielen zuwenden. Freude und Angst können so nah beieinander liegen!

Um diese Zeit außerhalb der eigenen Komfortzone zu überstehen und nicht die soeben getroffene Entscheidung gleich wieder über den Haufen zu werden, helfen mir ein paar Dinge.

Hier ist meine Helferliste gegen die Angst des Gründers.

  1. Reden ist Silber, Handeln ist Gold:

    Natürlich hilft es, mit Freunden und deiner Familie zu reden und Meinungen einzusammeln. Es ist aber immer etwas anderes, wenn du mit jemanden drüber sprechen kannst, der wirklich weiß wovon du sprichst. Wenn es möglich ist, pack also deinen Partner, deine beste Freundin oder deinen Lieblingsonkel und fahr mit ihm zum Ort des Geschehens – also dorthin, wo deine Entscheidung dich hinführen wird. Hast du dich also z.B. für einen neuen Kooperationspartner entschieden, zeig alles, was “einfach so” zu sehen ist. Und wenn das nur ein Gebäude von außen ist, ist das auch ein Anfang. Aber vielleicht ist es ja auch möglich, reinzugehen und mit jemanden zu sprechen? Zusätzlich kannst du selbstverständlich alle online verfügbaren Infos zeigen, also Homepage, Facebook-Seite & Co.

  2. Alte und neue Medien:

    Mir hilft es sehr, bewusst auf andere Medien umzusteigen, um eine Situation in einem anderen Licht zu betrachten. Das kann etwas handschriftlich verfasstes sein, oder ein Gespräch, oder auch das diktieren von Gedanken ins Handy, um das Gesagte später wieder anzuhören. Gerne frage ich auch meine 5-jährige Tochter zu ihrer Sichtweise – das kann erstaunlich erhellend sein.

  3. Nimm dir Zeit:

    Wenn irgendwie möglich, nimm dir Zeit für dich und deine Entscheidung. Schon eine Stunde Spaziergang oder Joggen, ein freier Nachmittag oder einmal ausschlafen können einen Unterschied machen. Vergiss nicht, dass es darum geht, zu einer Entscheidung zu stehen, die du schon getroffen hast und nur noch umsetzen musst. Das Wissen, warum die Entscheidung richtig ist, ist da (vielleicht ja auch nur im Bauch oder Herzen), wird aber durch die Angst gerne ein bisschen verdrängt.

Diese Zeit, in der du dich gerade befindest, ist eine Zeit der Transformation. Das bedeutet immer viel Unsicherheit, Zweifel und Angst. Aber vergiss nicht, dass es auch bedeutet: Alles kann besser werden, und spannend wird es sowieso. (Schon gekündigt? Schau mal hier rein.)

Also: klopf dir mal selbst auf die Schulter für deine Courage – die hat nicht jeder. Und dann: Augen zu und durch! 

Du bist dran!

Was denkst du? Hast du schon Veränderungen angestoßen, die dich zutiefst verängstigt haben? Und bist du dann dabei geblieben? Wie ist dir das gelungen?

Oder hast du vielleicht aus Angst schon mal eine Entscheidung rückgängig gemacht? Wie ging es dir dann?

Ich freue mich auf Deine Kommentare!