Es kann wirklich schwierig sein, Entscheidungen zu treffen – aber kann man das lernen? Man kann. Mit Spielbüchern.

Ich las mal ein Spielbuch, in dem ich in Brasilien in die Fänge von Drogenbanden geriet. Zu Beginn des Buches traf ich die Entscheidung, mit der Polizei zusammen zu arbeiten. Die Folge war: ich haderte während der folgenden Stunden mit dieser Entscheidung. Denn was wäre gewesen, wenn ich mich doch auf die Seite der Drogenlords geschlagen hätte? Irgendwie erschien mir diese Alternative, je länger ich spielte, immer spannender. Ich bereute diese eine frühe Entscheidung.

Was sind Spielbücher?

Viele, die über 30 sind, werden sich an Spielbücher erinnern. Schließlich waren sie vor allem in den 80ern und auch noch in den 90ern erfolgreich. Zum Beispiel „Der Hexenmeister vom flammenden Berg“ oder die Abenteuer vom „Einsamen Wolf“ begeisterten Millionen Fans. Auch heute gibt es wieder Spielbücher. In Deutschland schreiben eine Handvoll Autoren neue, moderne und ambitionierte Abenteuer.

Im Spielbuch schlüpft man als Leser in die Rolle der Hauptfigur. Man trifft folglich ihre Entscheidungen und führt ihre Dialoge. Darauf basierend wird sich die Geschichte in die eine oder andere Richtung entwickeln. Dafür ist das Buch in Abschnitte unterteilt, die nummeriert sind. Als Leser springt man je nach Entscheidung von Abschnitt zu Abschnitt.

Dabei begegnest du Menschen. Du sammelst Gegenstände. Manchmal wirst du verletzt. Immer wieder musst du Rätsel lösen. Und oft triffst du Entscheidungen, die schwierig sind. Dabei weißt du nicht, was sie später für Folgen haben werden. Denn alles kann eine Bedeutung haben. Und manches wird auch eine haben.

Entscheidungen haben Konsequenzen

In den besten Büchern des Genres sind diese Entscheidungen genau so angelegt. Immer wieder werden frühere Entscheidungen aufgegriffen und wirken sich aus. Man kann sich beispielsweise entscheiden, den Händler zu bedrohen. Dann wird er einem später nichts mehr verkaufen. Oder man entschließt sich, zu dem lauten Riesen freundlich zu sein. Folglich hat er einen Tipp parat, der später gegen die böse Fee hilft. Man beschließt, dem netten Polizisten nicht davonzulaufen. Dadurch wird er einem später helfen.

Mit anderen Worten: Man ist für die eigenen Entscheidungen selbst verantwortlich. Und erst später weiß man, was die Folgen sind. Sicher kann man nicht alles beeinflussen. Aber letztendlich doch mehr als man denkt.

Klingt wie im echten Leben, oder? Warum also nicht Spielbücher nutzen, um zu lernen, Entscheidungen zu treffen?

Stell dir vor, du machst dich selbständig, zum ersten Mal im Leben. Somit machst du dich auf in ein Abenteuer, das auch ziemlich beängstigend sein kann. Von Anfang an musst du aus dem Meer an Entscheidungen das richtige herausfischen:

  • Willst du von zuhause aus arbeiten? Oder nimmst du dir ein Büro, eine Werkstatt etc.?
  • Gehst du auf diese oder jene Veranstaltung und verteilst ein paar Visitenkarten?
  • Willst du kostenpflichtig im Online-Portal Mitglied werden, um dein Angebot zu präsentieren?

Was ist die richtige Entscheidung?

Jede dieser Entscheidungen will getroffen werden. Und natürlich ist auch jede nicht getroffene Entscheidung letztlich eine Entscheidung. Wie bei einem Stein, der im Wasser landet, wird dein Tun Wellen bilden. Nicht jede dieser Wellen wird für dich eine Wirkung haben. Aber manche können jetzt oder eben auch später zu etwas führen:

  • Du entscheidest dich, in eine Bürogemeinschaft zu gehen. Dadurch triffst du einen Kollegen, der dich auf die Idee bringt, eine bestimmte Fortbildung zu absolvieren.
  • Anstelle eine Veranstaltung zu besuchen bleibst du noch ein bisschen am PC sitzen. Daher bist du erreichbar für einen Neukunden, der schnell deine Hilfe brauchte und gut zahlt.
  • Du beschließt, dein Geld nicht in das Online-Portal zu stecken, sondern lieber auf Facebook Werbung zu machen. Deshalb wird ein spannender Kontakt auf dich aufmerksam.

Natürlich kann es bei jeder Entscheidung sein, dass sie falsch ist. Meiner Erfahrung nach gibt es aber selten Entscheidungen, deren Alternativen nur gut oder nur schlecht sind. Zum Beispiel hättest du dich auch dagegen entscheiden können, in eine Bürogemeinschaft zu gehen. Folglich hättest du den Kontakt nicht getroffen, der dich auf die Idee mit der Fortbildung gebracht hat. Dafür aber hättest du dir das Geld für das Büro und die Fortbildung gespart und stattdessen für eine eigene Veranstaltung ausgegeben. Und durch diese wäre dein Kunden-Netzwerk deutlich gewachsen.

Man kann lernen, diese Art von Entscheidungen zu treffen. Letztendlich geht es im Spielbuch wie im Leben darum, zu seinen Entscheidungen zu stehen. Das ist im Spielbuch oft nicht einfach. Im Leben aber ist es manchmal richtig schwierig! Klar – das Leben ist nicht nur ungleich komplexer als ein Spielbuch. Sondern es betrifft uns auch deutlich tiefgehender.

Entscheidungen treffen lernen: Was kann schon passieren?

Im Spielbuch kann ich schlimmstenfalls verlieren, und fange halt wieder von vorne an. (Wobei, unter uns: ich habe bei den Spielbüchern lieber geschummelt.)

Im Leben dagegen kann man nicht von vorne anfangen. Man kann auch nicht schummeln. Du kannst aber bewusst Entscheidungen treffen und konsequent mit den Folgen leben. Die Unsicherheit, ob du dich falsch entschieden hat, wirst du aushalten müssen. Und das kannst du mit einem guten Spielbuch wunderbar trainieren!

Das Spielbuch, in dem ich auf Seiten der Brasilianischen Polizei Drogenlords jagte, hatte ich irgendwann beendet. Natürlich fing ich nochmal von vorne an. Ich spielte also die andere Variante durch und kämpfte Schulter an Schulter mit Verbrechern gegen die Polizei. Dabei bemerkte ich: Dieser Weg war schon ok. Besser als mein erster Durchgang war er aber nicht, nur anders. Ich hatte meine Entscheidung also vollkommen umsonst bereut. Vor allem hatte ich mir selbst Spaß genommen. Besser wäre gewesen, einfach die Folgen meiner Entscheidung zu genießen.

Versuche das mal: Spiel ein Spielbuch, und zwinge dich zu großer Entscheidungsfreude. Kein Schummeln, keine Zweifel, sondern akzeptiere einfach alles, was einmal entschieden ist. Übe und lerne, Entscheidungen zu treffen. Das geht und macht Spaß – im Spielbuch wie im echten Leben.

Du bist dran!

Was denkst du? Hast du schon Spielbücher gespielt? Und dabei geschummelt, oder nicht? Und wie ist das mit dem Treffen schwieriger Entscheidungen? Fällt dir das leicht? Hast du in deinem Leben schon mal eine Entscheidung getroffen, die du später bitter bereut hast? Oder gab es Entscheidungen, die letztendlich besser waren, als du zuerst dachtest?

Ich freue mich auf Deine Kommentare!