Wenn ich „Der Sinn des Lebens“ höre, denke ich nicht an die großen Fragen der Menschheit, sondern zuerst an den gleichnamigen Film von Monty Python, der sich in aller Ausführlichkeit der Frage nach dem Sinn des Lebens widmet. Aber natürlich nicht so richtig ernst.

Wer es ernsthafter möchte, findet im Internet sehr viele Texte und Ressourcen, die sich um die philosophisch gemeinte Frage drehen. Eine schöne Antwort, die ich gut finde, ist die folgende:

Der Sinn des Lebens ist es, zu lieben und geliebt zu werden.

Das ist doch schon mal was.

Für mich hat die Frage aber noch eine viel konkretere Dimension: Es geht um die Frage, welchen Sinn DEIN Leben hat. Philosophisch ausgedrückt: Warum bist du hier? Religiös: Warum hat Gott dich erschaffen? Realistisch: Was kannst du im Leben erreichen? Hände hoch, wer glaubt, dass wir eine bestimmte Aufgabe haben und unser Leben einem Zweck folgt. Ah, da melden sich viele – aber auch nicht alle.
Daher brauchen wir jetzt wohl eine Arbeitshypothese für den Sinn des Lebens.

Daher schlage ich mal vor:

„Es könnte sich lohnen, sich über das eigene Leben Gedanken zu machen, um herauszufinden, ob es eine Variante unseres jetzigen Lebens gibt, die uns besser gefällt.“

Einverstanden? Ja, ein bisschen sperrig, ich weiß. Aber lass es uns mal damit versuchen.

Wenn es sich also lohnen könnte, sich mit dem eigenen Leben zu beschäftigen, mit dem Ziel, den Sinn des eigenen Lebens zu finden, wovon hängt dann eigentlich ab, was am Ende rauskommt?

Letztendlich doch davon, …

  • Was du kannst, und
  • Was du willst.

Das sind die zwei Dinge, die wir nun versuchen herauszufinden.

1. Was kannst du?

Es ist gar nicht schwer, sich dieser Frage zu nähern. Schließlich hast du in der Schule Noten bekommen, hast vielleicht schon eine Ausbildung oder ein Studium hinter dir, und vielleicht auch schon Berufserfahrung gesammelt. Je älter du wirst, desto besser wirst du verstehen, was dir liegt und was nicht. Du wirst Feedback von Chefs, Kollegen oder Kunden bekommen haben. Du wirst dich in manchen Aufgaben gefühlt haben wie ein Adler in der Luft, aber auch Situationen erlebt haben, in denen du nicht besser fliegen konntest als ein Pinguin. All dies können Hinweise auf den Sinn deines Lebens sein.

Aber was kannst du noch? Welche Stärken hast du, die nicht in deinem Lebenslauf stehen? Was schätzen andere an dir? Um das herauszufinden, habe ich dir ein paar Übungen gesammelt:

  • Was würdest du dir raten, wenn du jetzt dein jüngeres Ich treffen würdest? Nimm zum Beispiel deines früheren Ichs kurz vor der Wahl deiner Ausbildung bzw. deines Berufs.
  • Was denken Freunde und deine Familie, was du kannst? Frag sie! Am besten schriftlich, und bitte sie, mal jede Kritik außen vorzulassen. Sie sollen auch nicht sagen, was du nicht kannst, es geht um deine Stärken!
  • Wobei hast du anderen schon geholfen? Interessant sind hier vor allem Dinge, die du nicht gelernt hast oder als Beruf ausübst.

2. Was willst du?

Das ist ein bisschen schwieriger herauszufinden, gerade wenn es um das ganze Leben geht. Es ist einfach zu wissen, was ich heute Abend essen will (naja, für die meisten). Es ist aber eine ganz andere Nummer, wenn es um einen deutlich längeren Zeitraum geht. Hier meine Übungen:

  • Setz dich hin und schreib.

    Die Regeln: Nimm dir Stift und ein paar Seiten Papier, schreibe also nicht am PC. Stell einen Timer auf 5 (oder 10) Minuten und beginne zu schreiben, egal über was – lediglich die Frage „Was willst ich?“ darfst du im Hinterkopf behalten, ganz dezent aber. Wichtig ist, dass du nicht aufhörst zu schreiben. Wenn dir nichts einfällt, schreib eben genau das hin. Wenn deine Gedanken zum Film von gestern Abend schweifen, schreib halt da drüber. Du schreibst nur für dich, es gibt also kein richtig oder falsch! Wenn du fertig bist, schau dir an, was du geschrieben hast.

  • Bucket List

    Hast du eine Wunschliste, was du in deinem Leben noch nicht getan hast, aber gerne noch machen würdest? Wenn ja: Überarbeiten, und entscheiden was du als nächstes angehst. Wenn nein: Los geht’s, aufschreiben was du noch machen willst! Der Sinn deines Lebens kann sich genau hier verstecken! Auch hier kannst du übrigens aufschreiben, was du willst. Große Ziele (Antarktisexpedition) sind genauso gut wie kleine (einmal einen Schreibworkshop besuchen).

  • Trauerrede

    (Die folgende Übung ist gegebenenfalls berührend und aufwühlend. Vielleicht machst du sie, wenn du zuhause bist und im Nebenzimmer ein Freund oder ein Familienmitglied ist.)
    Stelle dir vor, du bist im Alter von 95 Jahren friedlich eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht. Ein paar Tage später findet die Beerdigung statt, und viele Menschen, die dich in deinem Leben begleitet haben, sind gekommen. Der Trauerredner hat sich große Mühe gegeben und mit vielen deiner Angehörigen und Freunden gesprochen. Nun hält er eine Rede über dich und was dich ausmachte.
    Überlege, was du gerne in dieser Rede hören würdest. Was soll man später mal über dich sagen?

Wenn du auch nur annähernd weißt, was du kannst und was du willst, bist du schon tausende Kilometer weiter als ganz viele Menschen und hast einen halbwegs unverstellten Blick auf den Sinn, den dein Leben haben könnte. Es ist eine große Kunst, sich selbst zu ergründen und zu verstehen. Und nur, wenn du einen freien Blick auf dich selbst hast, wirst du die richtigen Schlüsse ziehen, die richten Stellhebel finden und schließlich in die passende Richtung abdampfen.

Das ist eine Lebensaufgabe. Du kannst immer wieder Überraschungen mit dir selbst erleben. Du kannst immer wieder feststellen, dass du dir etwas vorgemacht hast. Aber all das sind Gründe, spätestens jetzt damit anzufangen, dich kennenzulernen.

Der Sinn deines Lebens: Ziele wandeln sich

In meiner Erfahrung ist die Frage, was man will und was die eigenen Ziele sind, stetig im Wandel. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass man immer mehr als nur ein Ziel hat: es handelt sich eher um Zielbündel, und die einzelnen Ziele bedingen sich auch noch selbst. Außerdem ist jede Erfahrung, jeder neue Kontakt, jede erworbene Fähigkeit ein zusätzliches Puzzlestück, das sich auf deine Ziele auswirkt und manchmal sogar ein Ziel verändert oder austauscht.

Um ein Gespür dafür zu bekommen, was du in 1 Jahr erreicht hast, welche Ziele du verloren und welche du hinzugenommen hast, empfehle ich dir zum Abschluss eine spannende und bereichernde Übung: Schreibe einen Brief an dich selbst, den du in 1 Jahr erhältst. Das ist doppelt aufregend: Das Verfassen ist an sich schon ein spannender Prozess. Und dann, 1 Jahr später, wenn man vergessen hat, dass man diesen Brief geschrieben hat, auf einmal die große Überraschung. Es ist wirklich faszinierend, wie man sich nach 1 Jahr verändert hat, aber auch wie sehr man sich selbst treu geblieben ist.

Mit den Möglichkeiten des Internets gibt es selbstverständlich auch dafür Online-Dienste. Ich habe gute Erfahrungen mit Future Me gemacht. Versuch es! Es ist wirklich spannend herauszufinden, wie man dem Sinn des eigenen Lebens nach einem Jahr näher gekommen ist.

Du bist dran!

Was willst du in deinem Leben noch erreichen? Hast du das Gefühl, in die richtige Richtung unterwegs zu sein, oder würdest du eigentlich lieber etwas anderes machen? Und welche Ziele hast du vielleicht schon erreicht?

Ich freue mich auf Deine Kommentare!