Mit Fehlentscheidungen umgehen – so geht’s

Jeder, der sich schon mal falsch entschieden hat, weiß wie knifflig es ist: mit Fehlentscheidungen umgehen. Gerade wenn man eine wegweisende Entscheidung versemmelt hat, fällt es besonders schwer.

Aber auch bei kleineren Fehlentscheidungen kann man sich ordentlich ärgern und muss damit umgehen können. Das gilt selbst bei der simplen Frage, was man von der Speisekarte beim Thai um die Ecke essen soll.

Nun werden sich Fehlentscheidungen nicht vermeiden lassen. Dafür sorgt schon das Menschsein. Und einfach gar keine Entscheidungen mehr zu treffen ist auch keine gute Idee. Wo also können wir Einfluss nehmen? Beim Umgang mit Fehlentscheidungen.

Hier ist daher mein dreiteiliger Fehler-Management-Werkzeugkasten:

1. Akzeptiere den Fehler als eine Entscheidung, die einst richtig war.

Du hast die Entscheidung nicht absichtlich falsch getroffen. Vielmehr wurde sie auf Basis der zur Verfügung stehenden Informationen gefällt. Diese hast du halb bewusst und halb bauchgesteuert getroffen. Zu dem Zeitpunkt jedenfalls war es eine richtige Entscheidung. Und vielleicht hat deine Intuition etwas erkannt, das dir selbst jetzt noch nicht ganz klar ist. Immerhin gehen 99% deiner Gehirnaktivität für Unbewusstes drauf. Warte mal ab, vielleicht tauchen ja noch Aspekte auf, an die du gar nicht gedacht hast. Dann wird es plötzlich ganz leicht, mit der vermeintlichen Fehlentscheidung umzugehen.

2. Mit Fehlentscheidungen umgehen: Vermeide die Sunk-Cost-Fallacy.

Wenn du etwas einmal als Fehlentscheidung erkannt hast, dann verhalte dich auch so. Stell dir vor, du hast 3 Jahre deines Lebens für ein Studium geopfert. Jetzt wird dir klar, dass es dich weder sonderlich interessiert noch deine Berufschancen vergrößert. Wenn diese Erkenntnis einmal da ist, dann verhalte dich entsprechend.

Die „versunkenen Kosten“ bezeichnen hier diejenigen Kosten, die schon angefallen sind, egal wie du dich jetzt entscheidest. Gerade bei so viel Investition in ein Vorhaben (3 Jahre deines Lebens!) ist es manchmal schwer, diese Kosten als verloren zu akzeptieren. Schließlich will man die Investition nicht einfach wegschmeißen. So kann es also passieren, dass man eine Fehlentscheidung vor sich selbst rechtfertigt. Man hält also noch an etwas fest, das eigentlich schon zum Scheitern verurteilt ist. Und durch diese Selbsttäuschung werden die versunkenen Kosten noch viel höher. Also: Mut zum Schlussstrich, wenn es sein muss.

Aber vielleicht hilft dir auch das letzte der drei Werkzeuge, um den Fehler in einem anderen Licht zu betrachten.

3. Kein Fehler ist komplett schlecht: Der Hüte-Test.

Mach den Hüte-Test und schau, ob du den Fehler in einem anderen Licht sehen kannst. Dieser Test ist eine Kreativitätstechnik. Eigentlich wird er in der Gruppe durchgeführt. Er kann aber auch von dir alleine angewandt werden, leicht variiert. Und er hilft dir nicht nur akut. Er trainiert auch für die Zukunft. Mit Fehlentscheidungen umgehen kann man lernen.

Nimm dir verschiedenfarbige Zettel oder Gegenstände  (oder Hüte, wenn du welche hast). Beschrifte diese mit folgenden Eigenschaften:

– Blau: Adlerperspektive
– Weiß: Fakten
– Rot: Gefühle
– Schwarz: Kritik
– Gelb: Optimismus
– Grün: Kreativität und Assoziationen

Jeder der Zettel steht für eine unterschiedliche Haltung. Er spricht einen Teil deiner Persönlichkeit an, der entsprechend anders mit Fehlentscheidungen umgehen kann.

Nun nimm dir 10 – 15 Minuten Zeit. Suche dir ein ruhiges Plätzchen. Besinn dich nochmal auf die Fehlentscheidung. Denk dabei an alles, was dazu geführt hat. Überlege dir auch, warum du die Entscheidung nun für einen Fehler hälst. Dann nimm dir in beliebiger Reihenfolge immer jeweils einen der farbigen Zettel zur Hand. Versuche, im Sinne des Zettels zu denken. Beurteile deine Entscheidung entsprechend. Dabei kann der Wechsel der Zettel alle paar Sekunden stattfinden, oder auch nur nach 1-2 Minuten. Das ist letztlich zweitrangig. Schau nicht auf die Uhr. Mach einfach das, was sich richtig anfühlt. Versuche, jeden der Zettel mindestens einmal bearbeitet zu haben.

Mach das solange, bis du das Gefühl hast, dass jeder deiner zu den Zetteln gehörigen Haltungen alles gesagt hat, was sie aktuell dazu zu sagen hat.

Hier im Detail, wie du mit den verschiedenen Hüten (oder Zetteln) Fehlentscheidungen betrachtest:

Adlerperspektive

In der Adlerperspektive (blau) geht es darum, das Ganze mit Abstand zu betrachten.
Wie sieht die Fehlentscheidung aus, wenn man sie von weit weg betrachtet? Was würde z.B. der Busfahrer sagen? Wie denkt wohl die Bedienung in deiner Lieblingskneipe darüber? Und dein ehemaliger Grundschullehrer, wie würde er urteilen, wenn du ihn/ sie befragen könntest?

Faktenhaltung

Die Faktenhaltung (weiß) konzentriert sich auf das, was messbar und nachvollziehbar ist.
Was ist an der Fehlentscheidung tatsächlich ein Fakt? War es objektiv gesehen wirklich eine Fehlentscheidung? Warum?

Gefühle

Bei den Gefühlen (rot) fragst du dich, was das Ganze emotional mit dir macht.
Ärgerst du dich über die Fehlentscheidung? Wie würdest du dich fühlen, wenn du die Entscheidung anders getroffen hättest? Welche Gefühle schwingen noch mit? Angst, Verunsicherung, Zweifel? Gibt es irgendwo auch positive Gefühle? Wie fühlen sich andere auf Grund der Entscheidung?

Kritik

Kritik (schwarz) zielt hier tatsächlich vor allem auf Fehler und schlechte Entwicklungen ab.
Was hast du falsch gemacht? Was hättest du anders machen können? Und was hätten andere anders machen können? Wer ist Schuld? Was ist besonders doof an der Fehlentscheidung? Was sind die schlimmsten Konsequenzen, die dir einfallen? Hier darfst du so negativ sein, wie du willst. Lass nach Herzenslaune den Pessimisten, den Nörgler und den Schwarzseher raus. Nur zu!

Optimismus

Du solltest das Ganze aber auch mal möglichst optimistisch betrachten (gelb).
Welche guten Dinge hat die Fehlentscheidung mit sich gebracht? Welche Türen öffnen sich, vielleicht gerade deshalb weil sich andere geschlossen haben? Was hast du aus der Situation gelernt?

Kreativität und Assoziationen

Versuche, offen assoziativ zu denken (grün).
Schließlich hat sich ja was geändert. Eine Entscheidung fühlte sich ursprünglich richtig an. Jetzt hat sie sich als Fehlentscheidung herausgestellt. Was fällt dir dazu ein? Hast du schon mal etwas Ähnliches erlebt oder gehört? Gibt es vielleicht einen kreativen Ansatz, jetzt mit der Situation umzugehen? Flucht nach vorne? Einen Witz draus machen? Eine Anekdote für den nächsten Abend mit Freunden? Oder sogar ein Ansatz für ein neues Projekt?

Was auch immer. Hier kannst du an alles denken, was dir zum Thema einfällt. Hier ist alles richtig. Diese Karte kannst du als Joker-Karte betrachten. Sie hilft, wenn du hängst oder abschweifst.

Wenn du durch bist, verschnaufe. Dann kannst du, wenn du willst, deine Ergebnisse aufschreiben. Du wirst merken, ob das nötig ist oder nicht.

Versuche zu betrachten, was du soeben getan hast. Welche Erkenntnisse hast du daraus gewonnen? Ändert sich deine Einstellung zur Fehlentscheidung? Wird es leichter, mit der Fehlentscheidung umzugehen?

Du bist dran!

Welche großen oder kleinen Fehlentscheidungen hast du schon mal getroffen? Was war die Konsequenz? Wie konntest du mit dieser Fehlentscheidung umgehen?

Ich freue mich auf Deine Kommentare!

 

2 Comments

  1. Bei vielen deiner Texte fühle ich mich verstanden und allein durch die Lektüre fühle ich mich besser – danke dafür.

    • Super, das freut mich – danke.

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Florian Sußner

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