Gauguin wusste mit einem Mal, dass er kein Bankangestellter war; er war ein Maler. Und so verließ er das Geldinstitut. Ich finde, wir haben ein Recht, den Kurs zu ändern. (Anaïs Nin)

Welcher Beruf passt eigentlich zu mir? Diese Frage stelle ich mir bis heute immer wieder. Als Kind wollte ich Fotograf werden. Dafür gab es eigentlich keinen besonderen Grund, außer einem: Mein Onkel ist Fotograf. Ich fand ihn super. Daher dachte ich mir, klasse, dann werde ich eben auch Fotograf.

Danach kamen noch viele weitere Ideen, was ich mit meinem Berufsleben anfangen will. Viele davon habe ich umgesetzt, aber längst nicht alle. Die Sache ist nämlich die: Mich interessiert so viel, dass ich mich bis heute nicht für einen Beruf entschieden habe.

Aus heutiger Sicht muss ich sagen: Es gab oft schlechtere Entscheidungsgrundlagen, als sich am Onkel zu orientieren.

Die schlechteste Entscheidungsgrundlage

Ich hatte als Schüler kurz vor dem Abitur überhaupt keine Ahnung, was ich mal werden sollte. Das, was mich reizte, schloss ich aus. Mir schien klar, dass ich als Schauspieler, Autor oder Profi-Tourist niemals Geld verdienen würde (naja, immerhin bei einem der drei hab ich Recht behalten). Daher folgte ich dem Rat, der mir auf allen Kanälen entgegenhallte: Entscheide dich für eine Sache. Spezialisiere dich. Und bleibt dabei. In meinem Fall heiß das: BWL studieren. Warum? Hm, weiß nicht. Haben halt alle gemacht.

Im BWL-Studium gab es Spezialisierungen. Meine Kommilitonen wählten Controlling oder Marketing. Ich? Meine Schwerpunkte waren Internationales Management, Internationale Beziehungen und Auslandswissenschaften Frankreich. Das war irgendwie alles interessant. Klassische BWL war das nicht. Meine Diplomarbeit schrieb ich dann über ein ganz anderes Thema. Im Studium hat es mich nie gereizt, mich festzulegen. Ich fand es immer einengend, zu wissen was die nächsten Monate oder Jahre passiert. Langsam stellte sich heraus: Jeder Versuch, klassische Berufswege oder Karrieren zu beschreiten würde scheitern.

Der Druck von „das macht man halt so“

Mir wurde schon früh klar, dass für mich die klassischen Wege nicht funktionierten. Ich wollte mich nicht spezialisieren, nicht festlegen und vor allem nicht immer dasselbe arbeiten. In den ersten Jahren nach dem Studium hatte ich eine ganze Reihe verschiedener Jobs. Die hatten eigentlich nur eines gemeinsam: Ich fand sie spannend und wollte herausfinden, wie sie funktionierten. Zum Beispiel wollte ich wissen, wie es ist als Lehrer zu arbeiten. Immerhin 1,5 Jahre lang war dies mein Hauptberuf.

Während dieser Zeit begleitete mich das ungute Gefühl, etwas falsch zu machen. Fast alle um mich herum hatten sich festgelegt und wurden in dem, was sie taten, immer besser. Mir war klar, dass das aus ihrer Sicht richtig und konsequent war. Was also war mit mir nicht in Ordnung?

Welcher Beruf passt zu mir: Es geht auch anders

Lange grübelte ich darüber. Bis ich eines Tages über sog. Scanner-Persönlichkeiten stolperte (oder Multipotentials oder Renaissance Persons oder oder oder). Was diese Menschen ausmacht:

  • das Vorhandensein vieler Interessen
  • große Begeisterungsfähigkeit
  • die Weigerung sich zu entscheiden
  • der Wunsch, den eigenen Weg zu gehen.

Das kam mir irgendwie bekannt vor. Was aber viel wichtiger war: Nicht nur gibt es tatsächlich andere Menschen, die so sind und arbeiten. Es ist sogar ok, so zu sein. Und: Es gibt eine ganze Menge Ansätze, wie man damit ein erfolgreiches Berufsleben gestalten kann.

Die Frage war also nicht mehr: Welcher Beruf passt zu mir? Sondern eher: Auf welche Art und Weise kann ich meine Interessen kombinieren, dass insgesamt ein Beruf herauskommt?

Arbeitsleben als kontinuierliche Weiterentwicklung

Die US-amerikanische Bloggerin Emilie Wapnick hat vier Modelle entworfen, wie das Arbeitsleben aufgebaut werden kann:

1. Eines für alles:

Man hat einen Job, der alles abdeckt. Das ist vermutlich oft ein Glückstreffer. Es gibt solche Jobs, in denen sehr unterschiedliche Aufgaben, Themen und Probleme auftauchen. Ein Beispiel mag der Lokaljournalist sein, der über Sport, Kultur und Politik gleichermaßen schreibt.

2. Mehreres Parallel:

Man hat 2 oder mehr Jobs, die kaum Überschneidungen haben. Man ist z.B. Lehrer in Teilzeit, und daneben Maler.

3. Mach es wie Einstein:

Albert Einstein arbeitete lange in einem öffentlichen Büro. Er widmete sich nur nebenher seinen Interessen. Das geht natürlich auch heute noch: Ein Brotberuf, der genug Zeit und Kraft lässt, um sich all dem zu widmen, für das man brennt.

4. Wie der Phönix aus der Asche:

Erfinde dich immer wieder neu. Mach das, was dich reizt. Wenn es dich nicht mehr reizt, suche dir etwas Neues. Bei den Unternehmern wäre das der Serienunternehmer. Als Angestellter beginnt die neue Tätigkeit oft als Hobby, mit dem man sich nebenher beschäftigt, bis man gut genug geworden ist.

… oder eine Mischung aus mehreren?

Egal, wie man es tut: Oft kann man ein Hybrid aus mehreren dieser Modelle sein. Insbesondere Ansatz 4 kann ein Verbindungsstück sein. Interessen, die kaum Berührungspunkte haben, können spannende neue Projekte generieren, wenn man sie kombiniert. Man wird darin zwangsläufig immer besser werden, je länger man in diversen Themen unterwegs ist.

Klingt schwierig? Ist es auch. Ja, wirklich, mir ist klar, dass das nicht immer so leicht geht. Der Grund ist, dass man keine ausgetretenen Pfade vorfindet. Man muss selbst herausfinden, was das richtige ist und womit man Geld verdienen kann. Das kann unendlich schwierig, langwierig und beängstigend sein.

Andererseits:

Es kann sich auch unglaublich lohnen. Und ist es nicht aufregend, eben noch nicht zu wissen, was man morgen macht? Die Frage, welcher Beruf passt, wird so zu einem spannenden lebenslangen Projekt.

 

Du bist dran!

Wusstest du schon immer, was du mal werden willst? Oder hattest du schon mehrere Berufe?

Ich bin auf deinen Kommentar gespannt!

 

(Image by Pexels from Pixabay)