Was soll ich trinken, wohin geht der nächste Urlaub, soll ich sie heiraten? Das Leben ist gespickt von Entscheidungen, große wie kleine. Viele davon fallen uns sehr leicht (Latte Macchiato oder Cappuccino?), andere schwerer (Strand oder Berge?) und wieder andere scheinen schier unmöglich (ich? Heiraten?). Während wir uns mit den meisten dieser Entscheidungen nicht lange aufhalten, gibt es jedoch immer wieder welche, die uns richtig Kopfzerbrechen bereiten: Der Kopf sagt hü, das Bauchgefühl aber hott.

Das liegt in der Regel daran, dass schwierige Entscheidungen die blöde Eigenart haben, vielschichtig zu sein.

Als Beispiel: Einer Mutter wird ein deutlich besser bezahlter Job angeboten, der allerdings mit dem Auto in 4 Stunden Entfernung liegt. Da ihr Mann in Teilzeit arbeitet, kommt ein Umzug der ganzen Familie nicht in Frage. Gleichzeitig wäre das höhere Gehalt willkommen. Die Familie möchte für die Ausbildung der Kinder gerne mehr zurücklegen. Sie würde lieber mehr im Bioladen einkaufen. Außerdem bräuchte die Familie eigentlich eine größere Wohnung und ein größeres Auto. Wofür nun soll sich unsere Familienmutter entscheiden? Für mehr Geld und damit gesünderes Essen, größere Wohnung und Auto? Oder dagegen, was entsprechenden Verzicht bedeuten würde, aber dafür mehr Mama-Zeit für die Kinder?

Natürlich kann man hier nun trefflich diskutieren über Werte wie Familiensinn, gesunde Ernährung und allerlei mehr. Letztendlich aber wird die Mutter hier nicht in der Lage sein, allein auf Basis von Fakten zu entscheiden – die jeweiligen Vorteile der beiden Optionen sind nämlich einfach nicht vergleichbar. In so einem Fall kann man Vor- und Nachteile, Werte und Einstellungen gegeneinander abwägen. Letztendlich jedoch wird man immer gezwungen sein, eines zu tun: Eine Bauchentscheidung treffen.

Entscheidungen nach Bauchgefühl: Auf den Zeitpunkt kommt es an

Es gibt eine Korrelation, die ein bisschen gemein ist: Je wichtiger und folgenreicher eine Entscheidung ist, desto geringer ist die Kenntnis über alle Fakten und Folgen. Mit anderen Worten: Der Zeitpunkt kommt, an dem die Entscheidung getroffen werden muss – obwohl man dann noch viel zu wenig über die Alternativen A und B weiß. Würde man warten, bis man genug darüber weiß: Die Entscheidung wäre einem längst abgenommen, z.B. weil der angebotene Job anderweitig vergeben worden wäre.

Bauchgefühl

Man trifft also gerade die wichtigen Entscheidungen mit nur unzureichenden Informationen. Das wäre ein ziemliches Problem, wenn wir nicht ein machtvolles Instrument hätten: Genau, das Bauchgefühl. Das bewusste Denken macht nur einen kleinen Teil unseres gesamten Wahrnehmens aus und beansprucht auch nur relativ wenig Ressourcen unserer Gehirnleistung. Wir haben für un- und unterbewusste Prozesse deutlich mehr Arbeitsspeicher übrig, den wir zur Lösung eines Problems nutzen könnten. Die älteren Teile unseres Gehirns sind in der Lage, Signale und Informationen zu verarbeiten, für die das Bewusstsein keinen „Sinn“ hat. Unser Bauchgefühl ist eines der Signale, über die unser Nervensystem mit uns kommuniziert.

Fakten und das Bauchgefühl

Das heißt dabei nicht, dass du Fakten ignorieren sollst. Du solltest dir schon die Mühe machen, all das an Informationen anzusehen, was gerade verfügbar ist. Wenn du aber alles gesammelt und gesichtet hast – dann kommt das Bauchgefühl ins Spiel.

Diese reichlich unwissenschaftliche Ausführung soll vor allem eines sagen: Bei Entscheidungen, die so richtig schwer fallen, die dich überfordern und für die es irgendwie auch keine eine richtige Lösung gibt: Gerade bei diesen Entscheidungen solltest du tief in dich hineinhören. Worauf hast du mehr Lust? Was fühlt sich besser an?

Wenn du dir noch schwer tust, kannst du das versuchen: Wirf eine Münze. Zahl ist Alternative A, Kopf ist Alternative B. Wenn die Münze also z.B. auf Zahl fällt und Alternative A bestimmt: Was macht das mit dir? Bist du enttäuscht, oder erfreut und erleichtert? So, jetzt weißt du, wo es lang geht.

Kurz zusammen gefasst also: Je schwieriger eine Entscheidung, desto mehr Bauchgefühl.

 

 

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