Jeden Tag in die Arbeit quälen, nur noch Dienst nach Vorschrift, die innere Kündigung längst vollzogen und das eigentliche Leben findet erst nach 17 Uhr statt. Manchmal ist man einfach unglücklich im Job. Ach, was wäre es schön einfach alles hinzuschmeißen. Und dann, ja dann: Das Hobby zum Beruf machen.

Wer schon mal zutiefst unglücklich im Job war, kennt diese Fantasie. Und freilich kennt er dann auch das Abwägen: Würde das funktionieren? Könnte ich damit Geld verdienen? Würde mein Angebot jemanden interessieren? Wäre ich erfolgreich, oder würde ich mich lächerlich machen? Und würde ich im Alltag nicht die Begeisterung für mein Hobby verlieren, wenn wirtschaftliche Zwänge und Routine einsetzen?

Natürlich ist hier die Antwort immer dieselbe: Es gibt nur eine Art, das herauszufinden – das Tun.

Andererseits: Ist es überhaupt das richtige, sich diese Frage genauso zu stellen?

Schauen wir uns mal die beiden Bestandteile der Frage an: Der Beruf und das Hobby.

Was ist der Beruf?

Der Beruf ist natürlich zunächst mal das, womit du dein Geld verdienst. Das ist für fast jeden nötig, damit Miete, Essen, Kleidung und alles andere bezahlt werden können. So weit, so klar. Bis hierher gibt es ja keinen Grund, seinen Beruf aufzugeben, wenn er dafür sorgt, dass man das alles bezahlen kann. Es ist aber natürlich so, dass man ihn aufgeben würde, obwohl der all das bezahlt. Die Haltung hier ist die folgende: Eigentlich brauch ich den Job, will ihn aber nicht. Da ich also den ganzen Tag was Doofes mache, bekomme ich dafür genug Geld, um mein Leben zahlen zu können. Das Gehalt als Entschädigung für eine blöde Zeit.

… und das Hobby?

Dein Hobby ist etwas, dem du gerne und freiwillig nachgehst. Irgendeinen konkreten Nutzen siehst du da drin: Gesundheit, Lernen, Spaß, Wertschätzung oder sonst etwas bekommst du dafür, dass deine freie Zeit in etwas investierst. In den meisten Fällen hast du dafür sogar Ausgaben, zumindest wirst du in der Regel damit nichts oder nur sehr wenig verdienen. Und manche Hobbies sind richtig teuer. Aber das ist ok – du machst das ja aktuell nicht, um Geld zu verdienen, sondern um eben einen anderen Nutzen daraus zu ziehen.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Wenn man diese beiden gegenüber stellt, erkennt man zwei Pole: Schlechte Zeit, die man sich vergüten lässt, und gute Zeit, bei der die Vergütung nicht im Vordergrund steht, sondern anderer Nutzen. Dies ist eine relativ typische Haltung bei vielen Angestellten, sie beinhaltet Glaubenssätze. Diese sehen z.B. so aus: „Wenn ich für etwas Geld bekomme, kann es keinen Spaß machen“, oder andersherum: „Wenn ich etwas gerne tue, kann ich doch kein Geld dafür verlangen.“ Wenn du solche Glaubenssätze nicht hast – wunderbar. Wenn aber schon, solltest du mal drüber nachdenken.

Bevor du also alles hinschmeißt und dein Hobby zum Beruf machst, überleg dir gut, ob du diese Glaubenssätze kennst oder sogar verinnerlicht hast. Wenn das nämlich so ist – bitte erst die Glaubenssätze ändern, und dann das Hobby zum Beruf machen. Sonst tauschst du nur eine Beschäftigung gegen eine andere und wirst schnell wieder genauso unglücklich sein wie vorher.

Das Hobby zum Beruf machen: Auf dem Weg zu einer neuen Haltung

Glaubenssätze ändern ist leichter gesagt als getan. Selbst wenn man sich über die eigenen Glaubenssätze im Klaren ist – sie kommen oft aus lange zurückliegender Vergangenheit und Prägung. So etwas ändert man nicht einfach innerhalb von 5 Minuten. Tja, aber wie dann? Hier ein paar Vorschläge:

  • Suche dir im privaten Umfeld einen Sparringpartner. Mit dem vereinbarst du, z.B. alle 4 Wochen über deine beruflichen Vorstellungen zu sprechen. Es sollte auch darum gehen, woraus du im Beruf Zufriedenheit, Stolz, Genugtuung und ähnliches ziehen kannst. Am besten funktioniert ein solches Arrangement, wenn es nicht nur um dich und deinen Beruf geht, sondern auch um die Themen deines Gesprächspartners.
  • Leg dir eine Schreibpraxis zu. Gewöhne dir z.B. an, jeden Abend im Bett, jeden Freitagnachmittag im Park oder Montagmorgen im Zug zu notieren, was dir Bezug auf deinen Job, dein Hobby und deine Perspektiven durch den Kopf geht. So wirst du langsam ein klareres Bild erhalten, welche Themen feste Begleiter sind und wie du mit ihnen umgehst.
  • Gehe auf ein Selbstfindungsseminar. Klingt esoterisch, ist es aber nicht immer. Wenn du dir die Mühe machst, was zu dir passendes zu finden, kannst du sehr spannende Erkenntnisse über dich gewinnen.
  • Such dir einen Coach. In einem individuellen Coaching werden schnell Glaubenssätze offen gelegt und hinterfragt. Dabei kannst du viel über dich lernen und auch darüber, welche Glaubenssätze eigentlich noch passen.

Das Hobby zum Beruf zu machen kann ein wichtiger, befreiender und sehr zielführender Schritt sein. Meiner Erfahrung nach ist die Nachhaltigkeit von solchen Schritten aber dann besonders hoch, wenn sie zum Anlass genommen werden, sich selbst ein bisschen besser zu erkunden.

 

Du bist dran!

Hobby zum Beruf machen – gute Idee oder nicht? Hast du es schon mal versucht, oder denkst du gerade drüber nach? Oder ist das undenkbar?

Schreib mir!

 

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