Zeit oder Geld – was ist wichtiger?

Zeit oder Geld? Gleichzeitig genug von beiden zu haben ist ein Zustand, den die wenigsten von uns auf Dauer erreichen. Irgendwie erscheint beides attraktiv, oft macht es aber den Anschein, dass man nur eines von beiden haben kann. (Und vielleicht drückt man sich ein bisschen vor den nötigen Entscheidungen.)

Entweder man arbeitet viel. Man verdient genug, hat aber keine Zeit mehr sein Leben zu genießen.

Oder man lässt sich Zeit und macht all die schönen Dinge, die es eben so zu erleben gibt. Doof nur, dass dann ständig das Geld knapp wird.

(Anmerkung: Ich weiß, dass es Menschen gibt, die sehr viel arbeiten und dennoch nicht besonders viel Geld verdienen. Das ist ein Problem, aber nicht das Thema dieses Posts.)

Um ehrlich zu sein: Ich schwanke zwischen beiden Extremen. Warum gelingt es mir nicht, auf Dauer den Mittelweg zu finden? Mal arbeite ich 4 Wochen zu viel. Dabei begleitet mich mein schlechtes Gewissen, weil ich mich zu wenig um die wichtigen Menschen meines Lebens kümmere. Dann kommt eine Zeit, in der endlich mal Zeit ist. Ich bin da für die Menschen und Dinge, die mir wichtig sind. Aber gleichzeitig sagt eine kleine Stimme in meinem Hinterkopf: Du solltest lieber mehr arbeiten, nicht dass noch das Geld ausgeht.

Nun könnte man sagen, so ist das nun mal als Freiberufler. Selbst schuld, wärest du doch in der Festanstellung geblieben!

Andererseits: ich habe noch nie an diese Regeln geglaubt, die „nun mal so sind“.

Viele Interessen – wenig Zeit?

Als jemand, der gerne viele verschiedene Dinge tut, weiß ich wie schwer es ein kann, allem die nötige Zeit zu geben. Es ist ja bei den meisten Jobs so, dass sie nur mit einem gewissen Zeitaufwand Sinn ergeben. Ein Buch in 3 Stunden schreiben? Quatsch. Ein Theaterstück in einem Tag inszenieren? Geht nicht. Einen Business Plan nach einem Gespräch fertig haben? Unmöglich. Ein Festival in einer Woche organisiert? Schön wär’s. Wenn ich mich also für ein Vorhaben entscheide, muss ich dafür auch Zeit investieren. Und manchmal passiert es eben, dass manches gleichzeitig ansteht.

Ich habe daher für mich ein paar Strategien entwickelt, um mit den beiden Extremen umzugehen. Für mich funktionieren sie, zumindest meistens:

1. Zeit oder Geld: Viel Arbeit, aber zu wenig Zeit

  • Perfektionismus bekämpfen: Ich arbeite oft viel, weil ich etwas besonders gut machen will. Das ist sicherlich keine schlechte Eigenschaft – außer es führt zu viel zu viel Arbeit. Hier hilft uns das Pareto-Optimum: Mit nur 20 % der Arbeit schaffe ich 80 % der Aufgabe – super, oder? Wenn ich es schaffe, zumindest heute mit 80 % zufrieden zu sein, habe ich mir richtig viel Arbeit gespart. Das macht gerade dann Sinn, wenn man nicht allein an einer Aufgabe sitzt, sondern von der Leistung oder der Meinung anderer abhängig ist.
  • Eisenhower-Prinzip: Dieser Klassiker kann ebenfalls helfen. Wenn es um die Entscheidung geht, was man selbst machen muss und was man sofort machen muss, ist dies die perfekte Matrix.
    Sie geht folgendermaßen: Man trifft für jede Aufgabe zwei Entscheidungen. (1) Ist die Aufgabe wichtig? (2) Ist die Aufgabe dringend?
    • Nur wenn die Aufgabe wichtig UND dringend ist, erledigt man sie sofort selbst.
    • Wenn die Aufgabe weder wichtig noch dringend ist, erledigt man sie überhaupt nicht.
    • Ist die Aufgabe dringend aber nicht wichtig, delegiert man sie wenn möglich.
    • Und wenn die Aufgabe wichtig aber nicht dringend ist, verschiebt man sie auf später. Mit etwas Glück ist sie bis dahin schon erledigt oder hinfällig.
  • Cool bleiben: Manchmal ist es auch einen Versuch wert, zu schauen wie Kunden, Kollegen und Partner reagieren, wenn man sich einfach zwei Tage länger Zeit lässt. Nach meiner Erfahrung ist man oft selbst sein größter Kritiker. Es passiert folglich überhaupt nichts, wenn man eine Aufgabe erst später angeht.

2. Zeit oder Geld: Viel Zeit, aber wenig Geld

  • Feel-Good-Minimum: Mir fällt es leichter, das Nichtstun zu genießen, wenn ich eine kleine Aufgabe erledigt habe. Das kann zum Beispiel ein Anruf sein, den man lange vor sich hergeschoben hat. Dauert 30 Minuten, gibt mir aber das Gefühl, etwas Wichtiges und Relevantes getan zu haben.
  • Aushalten lernen: Es wird immer wieder passieren, dass mal weniger los ist. Und das ist gut so. Sieh es also als Chance, zu wachsen. Du kannst nicht immer arbeiten, sei also froh wenn mal Ruhe ist.
  • Frist setzen: Lege dich fest, wie lange jetzt Ruhe ist und wann es weiter geht. Egal ob das zwei Tage oder zwei Wochen sind: Halte dich an deine Frist.

Zusammen wird ein Zopf draus

Es gehört zu jedem Job dazu, dass mal mehr und mal weniger los ist. Ich versuche mir klar zu machen, dass es solche und solche Phasen gibt und immer geben wird. Eigentlich ist es ein Fehler, wenn ich mich doppelt selbst beschränke. Warum nicht einfach genießen, dass man mal Zeit hat und sich um alles kümmert, was privat wichtig ist? Dann wird es auch leichter, sich für Wochen in die Arbeit zu stürzen, wenn das wieder nötig ist. Denn man weiß ja, dass wieder eine andere Phase kommt. Die Familie und Freunde sind auch noch zufrieden, man hat sich ja gerade viel Zeit genommen.

Also: Hab Spaß, wenn viel Arbeit ist. Und genieße es, wenn mal nichts los ist. Das ist schon der ganze Trick: Zeit oder Geld? Na beides, abwechselnd! Ist nicht immer einfach, lohnt sich aber, dran zu arbeiten.

Du bist dran!

Was ist dir wichtiger, Zeit oder Geld? Beides?

Und wie gehst du damit um, wenn eines von beiden das andere verdrängt?

Ich freu mich auf Deine Kommentare!

2 Comments

  1. Hallo Florian,
    also erst einmal: Sehr schöne Seite, sher cooler Blog, herzlichen Glückwunsch!
    Und nun zum Thema ;-): Ich bin selber Freelancerin, freiwillig, seit etwa eineinhalb Jahren – und genau dieses Thema, Zeit oder Geld, hat mich die ersten paar Monate ganz schön kirre gemacht. Weil ich dachte, ich muss von Anfang an mein ganzes “Business” richtig aufstellen und alles komplett richtig und tausendprozentig machen, damit ich ja nicht versage und pleite gehe (diese Geldsorgen, furchtbar!). Also habe ich mich an die Ratschläge von sogenannten “Experten” gehalten, und genau gemacht, was die meinten. Nur: Jeder sagt was anderes! Also hab ich Sachen angefangen und dann wieder geändert, verbessert, nochmal neu gemacht, und wieder geändert, und… argh. Das hat einfach überhaupt nichts gebracht. Also habe ich einen Schlussstrich gezgen. Jetzt ist meine Website so, wie sie ist, und mein Blog ist so, wie er ist, und wenn ich was daran verändere, dann nur Kleinigkeiten, und nur wenn ich Lust habe, nur, wenn ich viel Zeit habe, und nur, wenn ich das wirklich so will.
    In Sachen Aufträgen bin ich superstrikt und sage von Anfang an klipp und kalr, wie lange das dauern wird. (Und ich gebe mir richtig viel Zeit, so dass ich den Auftrag entspannt machen kann und ich trotzdem alles pünktlich abliefere.) Wer sich bei mir meldet und jetzt sofort morgen oder besser noch heute was haben will, mit dem arbeite ich nicht zusammen. Basta.
    Und was soll ich sagen? Es ist soooo toll. Endlich macht es Spaß, selbstständig zu sein. Weil ich endlich die Freiheit genieße, alles genau so zu machen, wie ich mir das vorstelle – und weil ich wirklich genau so viel Freitzeit habe, wie ich mir das als gequälte Angestellte immer erträumt hab!
    Also: Genau so ein Freelancer-Dasein kann ich wirklich nur empfehlen. 🙂

    • Hallo Nina,
      vielen Dank, ich freue mich dass Dir mein Blog gefällt. Gerade von einer schreibenden Kollegin ist dieses Lob besonders schön =)

      Ja, ich verstehe voll was Du meinst. Man hat dieses Angst schnell als ständigen Begleiter. Wenn man nicht aufpasst, ordnet man sich ihr unter, und das ist nicht gut.
      Und Du hast Recht: Ratschläge sind immer wertvoll, wenn man sie als Denkanregung nimmt und dann seine eigene Lösung findet. Ich freue mich, dass Du Deine Selbständigkeit genießen kannst, genau dafür machen wir das ja alles, oder? Keiner sagte, dass es leicht wird =) aber spannend und herausfordernd allemal. Und man wird jeden Tag besser, mit allem.

      Liebe Grüße
      Florian

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Florian Sußner

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