Regeln für die Karriere können als gut gemeinte Ratschläge daherkommen:

„Wenn du nicht spätestens nach 8 Semestern mit dem Studium fertig bist, kannst du das mit der Karriere vergessen.“

oder

„Wenn du dich nicht rechtzeitig spezialisierst, wird es später ganz schwierig auf dem Arbeitsmarkt.“

Das sind so Sätze, wie ich sie im Studium und später immer wieder gehört habe. Das gemeine dabei ist: Wenn man so einen Satz hört (und das in der Regel auch noch mehr als nur einmal), ist es schwer sich dem zu entziehen. Man kann nicht so ohne weiteres nachvollziehen, was da dran ist. Sicher ist aber, dass man sich seine Chancen nicht verbauen will. Man will jetzt nicht irgendeinen entscheidenden Fehler machen, der einen später im Weg steht.

Die Frage hier ist: Solltest du auf solche Regeln hören oder nicht? Einerseits: Irgendwoher werden die ja kommen und auch eine gewisse Berechtigung haben. Andererseits: Wie kannst du herausfinden, was davon für dich wirklich wichtig ist, und was nicht?

Letztlich geht es um den Versuch, aus all den Gerüchten, Tipps, Halbwahrheiten und Erfahrungen anderer das herauszufiltern, was für dich selbst relevant ist. Das ist der Versuch, aus den Regeln anderer das zu übernehmen, was du für dein eigenes Leben brauchst. Die Regeln für dein eigenes Leben macht also, wenn dir das gelingt, nur einer: Du selbst.

Wie du die Regeln für deine eigene Karriere aufstellst: Schritt 1

Bevor du dich an die Planung machst, solltest du dir klarwerden, was für ein Planungstyp du überhaupt bist. Da gibt es nämlich Unterschiede, die zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen führen.

  • Schienentyp: Das ist der klassische Planungsmensch. An einem bestimmten Tag schnürt er seinen Plan, um vom aktuellen Stand A zum Ziel B zu kommen, also z.B. jetzt Medizin studieren und später Chirurg werden. Er setzt seinen Wagen auf eine Schiene und versucht, diese bis zu Ende zu fahren.
  • Weichentyp: Das ist die Art von Mensch, der es eher Beklemmungen bereitet, heute die nächsten 10 Jahre festzulegen. Dieser Typ justiert immer wieder neu und zieht dabei die veränderten Bedingungen mit in die Betrachtung ein. Er setzt seinen Wagen also auf eine Schiene, überlegt aber bei jeder Weiche neu, ob er links oder rechts weiterfahren soll.

Regeln für deine eigene Karriere: Schritt 2

Egal welcher Planungstyp du bist: als nächstes solltest du dir klar werden, was eigentlich deine eigenen Ziele sind. Der Hintergrund ist der, dass es ziemlich leicht passieren kann, dass man Erwartungen und Ziele anderer als die eigenen übernimmt, und nie mehr drüber nachdenkt, ob man das eigentlich wirklich will. Es schmeichelt nämlich, wenn man das Gefühl hat, dass andere mit einem zufrieden sind. Es kann verführerisch sein, Erwartungen zu entsprechen. Dem solltest du vorbeugen.

Nimm dir dazu ein Blatt Papier und sammle als Stichpunkte alle deine Ziele. Da sollte alles drauf, was wichtig ist und was du gerne in den nächsten Jahren erreichen möchtest. Es können konkrete Berufsziele sein (z.B. Aufnahme in eine Berufsvereinigung oder Abschluss einer Fortbildung), aber auch noch eher vage Dinge (ein Buch schreiben, einmal eine Key Note Speech halten, ortsungebunden arbeiten). Alles, was aktuell relevant, interessant, ansprechend erscheint sollte aufgenommen werden. Auch und gerade die Sachen, bei denen du denkst, dass das ja eh nichts für dich ist oder nichts wird, bitte aufnehmen. Es dürfen gerne 8-10 Punkte sein, oder mehr.

Danach dann bitte zwei Spalten rechts von den Punkten einzeichnen. Die erste Spalte steht dafür, wie sehr du das selbst erreichen möchtest (1 = nicht besonders und 10 = unbedingt). Die zweite Spalte steht dafür, wie sehr andere das von dir erwarten (1 = das erwartet niemand, 10 = das erwartet jemand ganz stark oder das erwarten sehr viele Menschen von dir).

Welche Ziele fliegen raus?

Wenn du alle Ziele bewertet hast, schau‘ dir mal das Ergebnis an. Alles, was in der ersten Spalte weniger als 5 Punkte hat, kann gestrichen werden. Sollte es sich um Dinge handeln, die du auf Grund von beruflichen Verpflichtungen dennoch erledigen musst, handelt es sich ab sofort nicht mehr um Ziele, sondern nur noch um Pflichten.

Danach schau‘ dir die Dinge an, bei denen die rechte Spalte einen höheren Wert hat als die linke. Sind das wirklich Ziele, die du selbst willst, oder handelt es sich eher um Pflichtbewusstsein? Entscheide dich, welche dieser Ziele du selbst wirklich in der Liste lassen willst und welche rausfliegen.

So, nun hast du eine brauchbare Liste an Zielen, die du selbst erreichen willst. Wenn du der Schienentyp bist: Entspricht das Ergebnis deinen Erwartungen? Wenn ja: weiter so. Wenn nein: Vielleicht bist du, tief drin, doch eher der Weichentyp? Dann könnte es jetzt Zeit für eine neue Weichenstellung sein.

Regeln für Deine Karriere: Schritt 3

Du hast jetzt eine Ziele-Liste. Um diese konkret zu machen, bestimm nun für jedes Ziel folgende zwei Kriterien:

  • Bis wann willst du das Ziel erreicht haben?
  • Woran erkennst du dass du das Ziel erreicht hast? Gibt es eine Urkunde, einen bestimmten Status, ein Honorar oder Gehalt, ein Ereignis, das dafür eintreten muss?

Aus dieser konkreten Ziele-Liste kannst du nun Regeln ableiten, die dir entsprechen. Dafür ist es wieder wichtig, welcher Planungstyp du bist:

Schienentyp:

Als Schienentyp hast du ein großes Ziel vor Augen. Hier macht es Sinn, rückwärts zu planen. Wenn du also z.B. als Ziel hast, als Schauspieler beim Tatort mitzuspielen, schaut das so aus:

  • Endziel: Tatort-Schauspieler
  • Dafür erforderlich: Bei einer guten Schauspieler-Agentur unterkommen, die in der Vergangenheit schon Schauspieler an die Öffentlich-Rechtlichen vermittelt hat.
  • Dafür wiederum erforderlich: Listung in der ZAV Künstlervermittlung der Bundesagentur für Arbeit
  • Dafür erforderlich: Abschluss an einer der renommierten öffentlichen Schauspielschulen
  • Dafür erforderlich: Aufnahme an einer dieser Schulen
  • Dafür erforderlich: Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung durch erfahrene Schauspieler, die selbst an einer dieser Schulen waren
  • Dafür erforderlich: Recherche und Netzwerkerweiterung, um mit den richtigen Schauspielern mit Lehrerfahrung in Kontakt zu kommen …

Das ist hier für den Schauspieler recht einfach, weil der Weg halbwegs vorgezeichnet ist. Bei anderen Berufen kann das durchaus etwas anspruchsvoller sein.

Weichentyp

Hier ist es nicht möglich, einen festen Plan zu fassen wie beim Schienentyp. Es ist eher wichtig, aus den Zielen allgemeingültige Regeln abzuleiten, an denen man sich unterwegs orientieren kann. Diese helfen einem dann z.B., wenn man Gefahr läuft, die Orientierung zu verlieren. Gerade beim Weichentyp sind selbst diese Regeln jedoch einem Wandel unterworfen. Meine eigenen Regeln schauen in etwa so aus (ja, ich bin totaler Weichentyp):

  • Freiheit kommt vor Finanzen
  • Spaß in der Arbeit
  • Mehrere unterschiedliche Dinge an jedem Tag
  • Veränderung und Lernen vor Sicherheit
  • Veränderung als Beständigkeit
  • Stete Suche nach neuen Verbindungen zwischen Kontakten und Themen
  • Optimismus

Das war’s. Mach dir die Mühe, für deine Karriere deine eigenen Regeln zu machen. Dann bist du auf der sicheren Seite, wenn dir Leute aus deinem Umfeld gut gemeinte Ratschläge geben, die dich verunsichern statt dir zu helfen.

Und sonst? Hör auf Marlon Brando:

Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem überholt werden.

 

Du bist dran!

Ich freue mich auf deinen Kommentar.

 

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