Warum Du aufhören solltest, Deine Karriere zu planen

Karriere ohne Planung – geht das überhaupt?

Ich war schon immer fasziniert von Menschen, die genau wussten, was sie werden wollten. Manche wussten immer bescheid, was sie wann für welchen Karriereschritt unternehmen mussten. Da gab es Regeln wie: „Wenn Du mit 25 nicht mit dem Studium fertig bist, klappt es nicht mehr mit der Führungsrolle im Konzern“. Ich fragte mich dann, wie ich jemals im Berufsleben ohne einen solchen Masterplan Erfolg haben sollte.

Kurze Anmerkung, bevor du weiterliest: Für manche Berufe brauchst du auf jeden Fall einen Masterplan. Wer Arzt oder Notar werden will, kommt nicht daran vorbei, langfristig zu wissen, wie er dort hinkommt, und welche Urkunden er braucht. Wobei es natürlich auch hier gewisse Einschränkungen gibt, schließlich gibt es immer wieder Menschen, die auch mit 40 noch ein Medizinstudium anfangen.

Karriere ohne Planung: Wie soll das funktionieren?

Aber zurück zum fehlenden Masterplan: Wer gerne plant und sich daran halten kann, soll dies auch weiterhin so machen. Mir doch egal.

Alle anderen brauchen sich ab sofort nicht mehr verunsichern lassen. Karriere ohne Planung heißt nämlich nicht, keine Ziele zu haben. Es bedeutet vielmehr einen anderen Umgang mit Zielen zu haben. Das schaut so aus:

  • Hör auf, ein Ziel zu definieren.

    Betrachte lieber, was du jetzt hast. Das ist immer ein Bündel aus z.B. finanziellen Ressourcen, Kontakten, Wissen und Zertifikaten, Talenten etc.). Am besten machst du eine lange Liste, in der du möglichst mit Kategorien arbeitest: z.B. Karriere, Familie, Freundschaft, Liebe, Hobby, Gesundheit, etc. Und dann schaust du dir diese Liste an und machst auf der Basis ein mögliches Zielbündel, also mehrere potentiell erreichbare Ziele. Das kann sein: pro Tag eine Stunde Zeit mit den Kindern, ab 2019 eine Fortbildung anfangen, ab sofort pro Woche 3 Stunden Sport machen, im Urlaub ein Instrument lernen usw. Dieses Bündel ist immer im Fluss. Wenn sich also deine Ressourcen ändern, können sich auch die erreichbaren Ziele ändern.

  • Nimm nicht alles vorweg.

    Und hör auf, Unerwartetes als Bedrohung zu sehen. Stattdessen nutze all die Dinge, die dir das Leben vor die Füße wirft. Es ist jedesmal deine Entscheidung, ob diese Dinge zum Stolperstein oder zur Treppenstufe werden!

  • Was ist dir die Erreichung deiner Ziele wert?

    Überlege nicht, was du mit deinem Beruf später verdienen willst, sondern wie viel du maximal bereit bist, dafür auszugeben. Andersherum: Ab welchen Kosten (Geld, Zeit, Kraft) wirst du aufhören, dieses Ziel zu verfolgen?

  • Schau dir mal dein Ziel-Bündel an.

    Welche zusätzlichen Partner brauchst du, um deine besonders reizvollen Ziele zu erreichen? Das können Ausbildungsinstitute, Netzwerke, oder Geschäftspartner sein. Oder auch Freunde, ein Coach, ein Sachbuch oder einfach eine Lerngruppe.

  • Du entscheidest!

    Hol Dir Feedback von anderen. Hör dir aufmerksam an was sie zu deinem Leben und deinen Plänen zu sagen haben. Aber dann überlege dir gut: Was davon trifft aus deiner Sicht zu? Und was kannst du getrost ignorieren? Denn nur du bist Experte in eigener Sache!

Vertraue auf die Vielfältigkeit des Lebens

In meinem eigenen Leben und in meiner Arbeit als Gründungsberater und Coach habe ich gelernt, dass das Leben immer vielfältiger ist, als man erwartet. Die meisten Entwicklungen kann man kaum voraussehen. (Und manchmal gibt es richtige Überraschungen.) Karriere ohne Planung geht! Natürlich ist es wichtig, Ziele zu haben. Dennoch kann man sich mal klarmachen, dass man in seinen Zielen und Handlungen flexibel sein darf, wenn sich die Ausgangssituation ändert. Und das tut sie hin und wieder. (Dabei merkt man manchmal erst zu spät, dass man auf das falsche Pferd gesetzt hat.)

Und nur, um es klar gesagt zu haben: Natürlich solltest du einen Plan für deine Karriere haben. Nur darfst du dir dabei viel mehr Freiheiten lassen, als viele dir geben wollen. Denn wenn Teil deines Plans ist, viel auszuprobieren und alles zu lernen, was dir über den Weg läuft: Nur zu!

Ein Wort zur Zielsetzung: Egal ob du ein Freund des Masterplans bist, oder lieber flexible Ziele hast – versuch immer konkrete Ziele zu haben. Schon 1979 soll es eine Studie gegeben haben, die eindrucksvoll die Wirkung von aufgeschriebenen Zielen auf den Karriereerfolg gezeigt hat: Je klarer das Ziel ausformuliert, desto höher die Zielerreichung! Zwar gehen die Aussagen auseinander, ob die Studie so wirklich stattgefunden hat. Dennoch haben auch andere Studien die Aussagen bestätigt.

Und noch etwas: Überlege dir gut, wem du von deinen Zielen erzählst. Ich würde das immer sehr zurückhaltend machen. Ziele gehen nur die etwas an, die es betrifft, z.B. dein Partner. Und die, von denen du ein Feedback wünschst, solltest du sorgfältig auswählen.

Also: weg von den vorgefertigten Karriereplänen anderer Menschen, und hin zu deinen eigenen Vorstellungen! Auf geht’s, lass dich von Deinem eigenen Leben überraschen!

 

Du bist dran!

Hast du deine Karriere ohne Planung hinbekommen? Oder hast du alles geplant? Wie lange hast du dich an deinen Plan gehalten? Welche Überraschungen gab es unterwegs, und was haben diese mit dir und deinen Plänen gemacht?

Ich freu mich auf deine Kommentare!

 

 

(Die Ideen für diesen Blogpost habe ich bei der Effectuation geklaut, einer Planungsmethode die sich explizit vom Planungsansatz des Business Plans absetzt.)

2 Comments

  1. Hallo Florian, danke für das (dein Thema) : “Karriere ohne Planung”. Ich persönlich bin noch dabei und fokussiere mehr und mehr meine Ziel. Was mir immer besser gelingt ist zu sehen was ich nicht möchte und dadurch öfter erkenne, dass ich hoffentlich auf dem richtigem Weg bin ( obwohl ich mich gerne auch mal
    verlaufe 😉 Für dich weiterhin viel Erfolg und vielleicht sehen wir uns das nächste mal bei den “Ottis” oder wieder auf der Straße…

    Liebe Grüße…. Alex

    • Hallo Alex,
      danke für deinen Kommentar. Das Verlaufen gehört ja irgendwie dazu. Wichtig ist, was man dabei lernt, oder?
      Bis bald
      Florian

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Hallo! Schön, dass du da bist.

Florian Sußner

Öfter Freelancers’s Tales lesen?

Hinweise zum Datenschutz und Widerrufsrecht

Pin It on Pinterest

Share This