Impro-Theater für Existenzgründer – was das eine für das andere bringt

Um den Nutzen von Impro-Theater für einen Existenzgründer zu beschreiben, möchte ich zwei Geschichten erzählen.

1. Impro-Theater: Nackt in der Prüfung

Bevor ich begann, Impro-Theater zu spielen, war ich lange als freier Theaterschauspieler aktiv und spielte im modernen, klassischen und selbstgeschriebenen Stücken große und kleine Rollen. Irgendwann kam der Punkt, als ich meine alte Liebe zum Impro-Theater wieder entdeckte. Ich begann, bei 6aufKraut zu spielen, bis heute meine Gruppe. An meinen ersten Auftritt kann ich mich noch gut erinnern. Ich kam rechtzeitig im Theater an. Von meiner Theatertätigkeit wusste ich, wie man sich vorbereiten kann.

Da ich sehr nervös war, hatte ich die üblichen Übungen für Körper und Stimme schnell durch. Dann kam der Moment, an dem ich normalerweise den Text des Stücks herausgezogen hätte und nochmal geschaut hätte, ob ich alles kann. Aber, wie schrecklich, es gab natürlich keinen Text. Es war schließlich Impro-Theater.

In dem Moment wurde mir das ganze Ausmaß meines Wagemuts bewusst: Ich würde in wenigen Minuten auf der Bühne stehen, 70 Augenpaare auf mich gerichtet, und das alles ohne Vorbereitung oder Absicherung. Das kam mir vor wie einer dieser Alpträume, in denen man ohne Vorbereitung in einer Prüfung steckt, nackt und ohne jeden Schutz.

2. Freiberuflichkeit: Der Sprung von der Klippe

Als meine Tochter gerade ein knappes Jahr alt war, machte ich mich zum ersten Mal hauptberuflich selbständig. Ich hatte lange darüber nachgedacht, und nach der Geburt meiner Tochter lange gezögert: Der Zeitpunkt erschien mir doch sehr ungünstig. Gleichzeitig aber war mir nach den langen Monaten des Zauderns klar, dass ich diesen Schritt früher oder später unternehmen musste. Ich hatte mit meiner Frau gesprochen, ich hatte gute Kontakte aufgebaut und ich wusste, wo mein Schreibtisch in der Selbständigkeit stehen würde.

Ich ging also zu meiner damaligen Chefin und teilte ihr meine Entscheidung mit. Das fühlte sich befreiend an – genauso befreiend wie ein Sprung von einer Klippe: Kurz nach dem Sprung ist es herrlich. Man fühlt sich schwerelos und ungebunden. Gleichzeitig geht man davon aus, dass der Boden mit immer größerer Geschwindigkeit auf einen zurast. Bis zum Aufprall kann es nur eine Frage der Zeit sein.

Impro-Theater: Be exited to fail

“You know how sports teach kids teamwork and how to be strong and brave and confident? Improv was my sport. I learned how to not waffle and how to hold a conversation, how to take risks and actually be excited to fail.” (Emma Stone)

Beide Geschichten haben dasselbe Thema. Es geht es natürlich darum, etwas tun zu wollen, wovor man Angst hat. Bei beiden werden innerste Sicherheitsbedürfnisse angesprochen: Die Angst, bloßgestellt zu werden, die Angst zu versagen und zu scheitern. Man spürt das Verlangen, zu fliehen, weg von der beängstigenden Situation. Egal wie, man will sich in Sicherheit bringen.

Schauen wir uns die beiden Geschichten mal genauer an. Wie ist das mit der Unsicherheit, der Angst, und dem Umgang damit?

  1. Beim Impro-Theater hat man zwar keinen Text und keine Inszenierung, ist aber dennoch vorbereitet: Man hat eine bestimmte Haltung trainiert.
  2. Beim Impro-Theater kann man sich auf erfahrene Kollegen verlassen, die einen schlimmstenfalls retten.
  3. Wenn es beim Impro-Theater doch schief geht, kann man daraus lernen und es beim nächsten Mal besser machen.
  4. Man wird natürlich als Impro-Spieler reifen, ab und an auf die Nase zu fallen. Man wird, insgesamt, wachsen.
  5. Viel öfter aber wird man beim Impro-Theater mit wunderbaren Szenen, begeistertem Applaus und unvergesslichen Abenden belohnt.

Existenzgründung:
Outside your comfort zone is where miracles happen

Das klingt nun schon gar nicht mehr so bedrohlich. Wäre es nicht toll, diese Aspekte Impro-Theaters für die Existenzgründung anzuwenden? Schauen wir mal – so vielleicht:

  1. Kann man als Existenzgründer eine bestimmte Haltung trainieren? Kann man sich so auf die Stürme im Leben eines Freiberuflers vorbereiten? Natürlich kann man. Hier geht es letztlich um das Mindset des Unternehmers, im Gegensatz zum Mindset des Angestellten. Wie erwirbt man das? Je nach Typ: Fachliteratur, Erfahrung, Coaching oder eine Mischung aus allen dreien.
  2. Erfahrene Kollegen – klingt nach einem Mentor. Das kann ich jedem nur empfehlen. Gerade wenn man etwas tut, das andere auch schon 1.000-fach getan haben: Es kann sich so sehr lohnen, von einem erfahrenem Kollegen zu lernen. Als Alternative zum Mentor kann das beim Startup übrigens auch ein Business Angel sein – wenn man etwas Glück hat.
  3. Kennst du die Fuckup-Nights? Da geht es darum, von gescheiterten Unternehmern zu lernen. Noch mehr aber geht es um etwas anderes: Sich klarzumachen, dass Scheitern nicht schlimm ist. Nur wer in Kauf nimmt zu scheitern, kann auch Erfolg haben! Scheitern ist nicht schlimm – es wäre nur schlimm, nicht aus den Fehlern zu lernen.
  4. Als Existenzgründer wird man immer wieder auf die Nase fallen. Man wird Fehler machen und auch mal ziemlich blöde Ideen ausprobieren. Man wird aber eines nicht vermeiden können: Persönlichkeitsentwicklung.
  5. Wer redet eigentlich die ganze Zeit davon, dass es schief geht? Mach dir immer wieder klar, dass es nie so schlimm kommt, wie man denkt. Wirklich – es ist erstaunlich, welch Überraschungen das Leben für einen bereit hält, wenn man seinen Optimismus nicht vergisst.

Impro-Theater für Existenzgründung:
Erfolg ist, was du draus machst

Selbst wenn du dich jetzt nicht gleich beim nächsten Impro-Workshop in der VHS deines Vertrauens anmeldest, um Impro-Theater für die Existenzgründung zu nutzen: Die hier beschriebenen Aspekte gelten für ganz viele Bereiche, in denen man etwas wagen kann. Marathon-Lauf? Buch veröffentlichen? Eigenen Laden aufmachen? Haus bauen?

Letztendlich geht es immer darum, den Mut zu finden für die wichtigen, aber schwierigen Dinge im Leben. Wie in dem Lied von Erobique & Jacques Palminger:

“Ich schulde dem Leben das Leuchten in meinen Augen.

Wann strahlst du?”

Du bist dran!

Hast du schon mal geträumt, in einer Prüfung zu stecken ohne gelernt zu haben? Oder hast du eine solche Situation schon erlebt? In der Ausbildung oder im Beruf? Wie bist du damit umgegangen?

Ich freu mich auf Deine Kommentare!

 

Dieser Post ist Teil der Blogparade Kreativität im Business. Da gibt es noch mehr Spannendes zu entdecken!

2 Comments

  1. Hallo Flo. Ich habe mich mit Deiner Hilfe letztes Jahr selbständig gemacht und mehr oder weniger zeitgleich begonnen Theater zu spielen. Bislang allerdings noch mit Text und Inszenierung. Theater zu spielen, bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, mehr über sich selbst und die Fähigkeit andere Menschen überzeugen zu können, herauszufinden. Sicherlich wertvolle Erkenntnisse, die auch im Business eine gewichtige Rolle spielen. Lehrreich war für mich die Erfahrung, wie unterschiedlich ein Publikum sein kann und was das mit dir macht. Ein euphorisches Publikum kann Dich in deiner Rolle durch das Stück tragen, aber auch dazu verleiten, die Konzentration zu verlieren und nicht das Beste aus dir herauszuholen. Ein verhaltenes Publikum verunsichert dich und läßt dich an dir und deiner Überzeugungskraft zweifeln. Hier gilt es durchzuhalten und auch unter nicht so optimalen Umständen das Beste zu geben. Im Theater ist es das Stück und das Publikum, im Business sind es die potentiellen Kunden oder Finanzierer und der Pitch. Somit läßt sich das sehr gut übertragen und ich kann es jedem nur empfehlen.

    • Hallo René,
      ja, ich finde die Möglichkeiten, die das Theater für die eigene Entwicklung bietet sind so vielfältig. Das mit dem Publikum kann man wirklich direkt auf den Geschäftsalltag übertragen – egal wie die Gegenüber drauf sind, man muss es schaffen sein Anliegen oder Angebot gut zu vermitteln.

      Danke für den wertvollen Kommentar.

      Florian

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Hallo! Schön, dass du da bist.

Florian Sußner

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