Endlich wieder Anfänger? Echt jetzt? Ist nicht jeder froh, endlich als Experte gesehen zu werden und fest im Sattel zu sitzen?

Stell dir vor, du bist in einem fremden Land. Die Sprache sprichst du nicht, sie ist auch echt schwierig. Die geschäftlichen Gepflogenheiten kennst du genau so wenig wie den Geschmack der Menschen oder die Chancen, in dieser oder jener Branche Erfolg zu haben. Du hast keine nennenswerte Vernetzung und weißt noch nicht einmal, wie du dich als Privatperson anmelden sollst. Du bist schon froh, dass du es geschafft hast, eine Wohnung zu finden.

Nun ist dir klar, dass du eine Arbeit brauchst. Was aber wenn du zum Beispiel an einer Kunsthochschule studiert hast? Oder Erfahrungen als Metzger und Werbetexter gesammelt hast, was dir im Gastland aber kaum etwas bringen wird? Tja, was dann?

Wie wäre es, einfach mal so, ein Restaurant oder ein Café zu eröffnen? Was, du hast das noch nie gemacht? Na, warum nicht einfach mal versuchen und dich in ein verrücktes Abenteuer stürzen? Und vielleicht schaffst du es ja, deine eigenen Erfahrungen dafür zu nutzen, etwas ganz individuelles und eigenes zu schaffen, das die Kunden lieben werden?

Kathleen aus Australien hat in Deutschland ein Café eröffnet.

Nate aus den USA hat einen Taco- und Burrito-Laden aufgemacht.

Keiner von beiden kann deutsch. Keiner hat vorher schon mal einen Gastronomie-Betrieb eröffnet. Und keiner hatte Erfahrungen mit der Selbständigkeit in Deutschland. Sie waren in vielem, was für den Erfolg ihres Vorhabens wichtig war, blutige Anfänger.

Erfolg als Anfänger?

Nun waren Kathleen und Nate natürlich in einer besonderen Lage. Durch den Umzug nach Deutschland stand jeder von ihnen ohnehin vor der Herausforderung, etwas aus ihrem Leben zu machen. Aber was ist mit jemanden, der fest in seinem Leben verwurzelt ist und eigentlich nichts ändern will?

Die Sache mit dem Anfangen ist die: Es ist schwierig, mühselig, frustrierend und langwierig. Egal ob Schlittschuhlaufen, Programmieren oder Chinesisch: Am Anfang muss man viel Kraft, Mühe und Zeit investieren, bevor man nennenswerte Ergebnisse sieht. Wenn es doof läuft, macht man sich sogar lächerlich. Und wenn man mit einer Sache anfängt, von der beruflich oder finanziell etwas abhängt, dann ist jeder Fehltritt teuer. Daher: Sollte man sich nicht gut überlegen, womit man anfangen möchte?

Nein, sollte man nicht. Denn alles, was man anfängt, kann irgendwohin führen. Alles, was du am Anfang brauchst, sind zwei Dinge: Den Mut anzufangen, und die Entschlossenheit, wieder aufzuhören wenn du merkst dass es doch nichts für dich ist.

Die meisten großen Taten, die meisten großen Gedanken haben einen belächelnswerten Anfang. (Albert Camus)

Ohne Anfang kein Erfolg

Es ist schlicht unmöglich, als Anfänger zu beurteilen, ob ein Vorhaben erfolgreich sein kann. Dafür müsste man eben Experte sein, der man ja noch nicht ist. Wenn man etwas, warum auch immer, interessant findet, hilft also nur der Sprung ins kalte Wasser. So herum ist der Gedanke sogar sehr befreiend: Du kannst jederzeit fast alles anfangen, was du willst. Und nach einer Weile wirst du schon sehen, wie viel Mühe du noch reinstecken willst.

Ich hatte mal einen Sommer lang unheimlich viel Spaß, im Keller auf einem ausgeliehenen E-Drum-Set Schlagzeug zu üben. Nach ein paar Monaten hatte ich aber genug und gab es zurück – schöne Erfahrung, aber hat mir dann auch gereicht. Als Erkenntnis stand für mich: Hat Spaß gemacht, und irgendwann hole ich mir ein echtes Schlagzeug und nehme Stunden.

Wenn man unbedarft mit allem anfängt, was einen reizt, wird es mit den meisten Dingen genauso sein. Es werden aber auch unweigerlich ein paar dabei sein, bei denen du länger dran bleibst und vielleicht sogar irgendwann ein echter Experte wirst.

Endlich wieder Anfänger: Was aus Kathleen und Nate wurde

Kathleen hat ihr Café und Nate hat sein Restaurant schon vor Jahren eröffnet. Beide Orte sind besondere, inspirierende und wirklich unnachahmliche Orte.

Kathleens Café, The Banksia, lebt die Australische Herkunft von Kathleen. Sie verkauft Australische Cupcakes, die Innengestaltung hat sie als Künstlerin selbst gemacht und sogar der Name ist australisch: Eine Banksia ist eine australische Blume, die es nur dort gibt.

Nate betreibt Crazy Nate’s West Coast Mexican mittlerweile sogar an 2 Standorten in Nürnberg. Sein Anspruch war, so authentisch wie möglich zu sein und seine Speisen genauso zuzubereiten, wie er es von der US-amerikanischen Westküste kennt. Wer in seine Restaurants geht, kann unheimlich viel entdecken. Man sitzt auf alten Snowboards, auf dem Fenstersims stehen Roboter, im Fernsehen laufen alte Kungfu-Klassiker und Monstertruck-Shows, und immer wieder gräbt Nate irgendwo alte Spiele aus, die man seit 30 Jahren nicht mehr gesehen hat, z.B. einen echten Game-Boy.

Beide haben aus der Not eine Tugend gemacht und ihre eigenen speziellen Kenntnisse genutzt, um als Anfänger ganz viele Details neu zu denken und ihre eigenen Lösungen zu finden. Mit Mut, Charisma und Begeisterung haben sie sich eine berufliche Perspektive erschaffen, an die viele nicht gelaubt hätten. Wer sich überzeugen möchte, was ein Anfänger besser machen kann als ein Profi, kann bei beiden vorbei schauen.

Aber auch im Kleinen wirst du viel lernen, wenn du immer wieder mal was Neues anfängst. Anfangen kann man üben und lernen. Wer keinen Respekt vor neuen Themen hat und sich leicht tut, sich Neues anzueignen, ist auf dem besten Weg zu lebenslangen Lernen – und das ist in der modernen, agilen, volatilen und schnelllebigen Welt ein riesiger Vorteil.

Und zuletzt: Es macht unglaublich Spaß, etwas Neues zu lernen! Ich freue mich schon drauf, endlich wieder Anfänger sein zu können.

 

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